Die Woche des Marathons (Jan Schlusnus)

Es ist soweit. Die Wettkampf-Woche hat begonnen. Am Sonntag um 09:15 Uhr geht’s rund: wir drei Schlusnus-Männer stehen an der Start-Linie in Hannover und bestreiten den ersten Marathon-Wettkampf des Jahres. Nach zehn Wochen Vor-Vorbereitung und sechs Wochen Intensiv-Vorbereitung steigen nun – zumindest was mich betrifft – Vorfreude und Aufregung in gleichem Maße. Immerhin stecken in den letzten vier Monaten nicht nur eine Menge Trainingszeit und mehr Höhen und Tiefen, als ich es mir hätte Ausmalen können; es flossen auch eine Menge Schweiß, ein bisschen Blut und vielleicht auch ein oder zwei sportlich-männliche Tränen.

Haben sich die Mühen und Entbehrungen gelohnt? Das lässt sich im Vorfeld kaum vorhersagen. Erst der Sonntag kann wirklich zeigen, was all das Training gebracht hat. Der letzte Intensiv-Trainingslauf am 24. März 2018 hat mich aber unverhofft weitere Zuversicht tanken lassen. An jenem Sonnabend liefen Jürgen, Max, Fritz und ich 35 Kilometer mit sage und schreibe 15 Kilometern Endbeschleunigung!


Sonnabend, 24. März 2018 – Stuckenborstel und Umgebung

„Mein wesentlicher Antrieb ist: es ist der letzte Lauf mit Endbeschleunigung!“ Diese Aussage fängt wohl die Stimmung vor Antritt des Trainings gut ein. Seit dem 17. Februar schlagen wir uns Wochenende für Wochenende mit den langen Läufen herum – begonnen hat damals alles mit einer locker-leichten Endbeschleunigung über drei Kilometer (habe ich an dem Tag gar nicht als locker-leicht empfunden!). Das Verhältnis zwischen gemütlichem Dauerlauf (05:57 min/km sind auf 32 Kilometer aber auch nicht ganz ohne) und dem „alle Reserven verballern“-Endspurt wurde dabei kontinuierlich zu Gunsten des Endspurts verschoben. Ein ganz hervorragendes Selbstbeherrschungs- und Körpergefühl-Training, denn jede Endbeschleunigung ist einzigartig und verlangt ein genaues Haushalten mit den Kraftreserven. Spannend… und anstrengend!

Auch wenn die Stimmung vor dem Lauf nicht unbedingt als überschwänglich bezeichnet werden kann: der Trainingslauf ist Pflicht. Also wurschteln wir uns in die Sportklamotten, schießen schnell ein nostalgisches „letzter Intensiv-Lauf vor dem Wettkampf“-Foto und traben los.

Im Laufe der ersten paar 100 Meter horcht jeder in sich hinein und teilt den anderen mit, was der Körper an Resonanz gibt: Max bekommt noch vor Kilometer eins schwache Seitenstiche (die aber schnell wieder verschwinden) und Jürgen muss pinkeln. Beste Voraussetzungen. Schon beim vorigen Trainingslauf musste Jürgen auffällig oft kleine Pinkelpausen einlegen und Max und ich munkeln, ob Jürgen heimlich ein Spezialtraining mit Sonderintervallen absolviert. Aber vermutlich ist es doch bloß der Druck von der bereits konsumierten Menge Tee. Wir werden am Marathon-Morgen ein Auge darauf haben. Nicht, dass die Zielzeit wegen einer Pinkelpause verfehlt wird.

Nach ein paar Kilometern hat sich alles eingespielt. Wir unterhalten uns über dies und das, erfreuen uns an den super Laufbedingungen (15°C, bewölkt und wenig Wind – ein Traum im Vergleich zur Woche davor: schneidend-kalter Wind bei 2°C!) und ehe man sich versieht, sind wir auch schon bei Kilometer 20 angekommen. Wir klatschen ab und rennen los.

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Bis Kilometer 26 bleiben Max und ich zusammen. Bei jeder Kilometermarke rufe ich ihm die Pace zu. Bei den ersten Kilometern ist’s noch die volle Zeit, die ich ansage: „04:42“ und „04:53!“, aber mit jedem Kilometer wird der Ausruf knapper und bei Kilometer 26 presse ich nur noch eine „40“ heraus. „Lauf‘, mir ist das zu schnell!“, entgegnet Max. Also kämpfe ich von hier an alleine weiter, wobei es einige Kilometer dauert, ehe Max und Fritzchen nicht mehr unmittelbar hinter mir sind.

Bei Kilometer 32 denke ich wehmütig an den ersten Endbeschleunigungs-Lauf zurück. Damals ging das ganze Gehetze erst hier los. Wenige Meter weiter führt unsere Runde am Haus unseres Samtgemeindebürgermeisters Peter Freytag vorbei; der wollte uns eigentlich mal bei einem Trainingslauf anfeuern. Doch auch heute hoffe ich vergeblich darauf, etwas Wettkampfatmosphäre zu tanken – niemand jubelt, niemand klatscht… niemand da. Schade.

Der letzte Kilometer verlangt mir noch einmal alles ab. Der Schweiß rennt mir über die Haut wie schon seit Monaten nicht mehr, mein Herz und die Lunge arbeiten auf Hochtouren, der Kopf hingegen nur noch auf Sparflamme – dort läuft ein Endlosband: „Beißen, beißen! Schneller, schneller!…“ Dann ist es soweit. Die Endbeschleunigung ist geschafft. Und ich bin es auch. Aber gleichzeitig bin ich stolz wie ein Bär. Die letzten 15 Kilometer lief ich in 01:10:05 Stunden, was einer Durchschnittspace von 04:40,4 min/km entspricht!

Normalerweise ist der Trainingslauf beendet, sobald die Runde abgeschlossen ist. Doch heute stoppe ich nach der Endbeschleunigung und warte auf Max und Fritzchen. Lange muss ich nicht warten. Während Fritz ganz entspannt im Schlenderschritt nebenher trabt, ist Max sichtlich geschafft. Gemeinsam joggen wir die letzten 500 Meter und bereiten das alkoholfreie Bier für Jürgens Ankunft vor.


Wir sind gespannt, wie das kommende Wochenende verlaufen wird. Im letzten Jahr war es am Tag des Marathons unverschämt warm, was Max und Jürgen schwer zu schaffen machte. Es ist vielleicht noch ein bisschen verfrüht auf die Aussagekräftigkeit des Wetterberichts zu bauen, aber aktuell soll es am Sonntag Temperaturen um 20°C bei viel Sonnenschein geben. Drückt die Daumen, dass es doch ein bisschen milder wird.

Sportliche Ostergrüße

 

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