Nicht von dieser Welt (Jan Schlusnus)

Kennt Ihr das? Die Marathon-Vorvorbereitung neigt sich dem Ende zu und die richtige Vorbereitung steht kurz bevor. Man läuft und läuft, aber so recht wissen, was man im Blog erzählen soll, tut man nicht. Während der langen Trainingsläufe am Wochenende passiert natürlich eine ganze Menge, aber erzählenswert ist das nicht unbedingt. Kurz habe ich überlegt, ob ich auf meine Ausbildung zurückgreifen muss. Als gelernter Bankkaufmann darf ich nämlich auf einige phänomenalen Vorteile und Stärken zurückgreifen: einerseits haben wir Bankkaufleute das Recht, selbst bei simpelsten Rechenaufgaben wie „7 + 8“ den Taschenrechner zu Rate zu ziehen. Weiterhin – und das ist entscheidend – lernten wir in drei Jahren, Gesprächspausen geschickt mit ausgeschmückten Lappalien zu füllen. Selbstverständlich haben wir in der Ausbildung weit mehr gelernt und die Reduktion des Berufs auf diese zwei Attribute klingt vielleicht ein bisschen fies den Bankkaufleuten gegenüber, ist aber überhaupt nicht so gemeint. Auf meine Ausbildung und die in dieser Zeit angehäufte Erfahrung bin ich sehr stolz. Und die Fähigkeit, bei jeder Gelegenheit gescheit zu palavern, leistet mir immer wieder gute Dienste.

Und doch muss ich in dieser wenig aufregenden Zeit nicht auf die Kraft des Sabbelns zurückgreifen. Denn in der letzten Woche absolvierten wir einen der eigentlich „unspektakulären“ Trainingsläufe, der rückblickend betrachtet tatsächlich diverse Rekorde bricht.

Es ist Sonnabend, der 13. Januar 2018. Diverse Termine sind für dieses Wochenende veranschlagt und irgendwie haben wir es geschafft, zwischen all den sozialen Verpflichtungen auch einen 35-Kilometer-Lauf unterzubringen. Da mich noch immer das leidige Knie plagt, übe ich mich in Vernunft und Zurückhaltung und laufe nur 30 Kilometer.

Der Lauf geht sich ganz gut an, auch wenn das Tempo eher an zügiges Wandern erinnert. Wir sind alle ziemlich dick angezogen und (voll)bepackt mit Wasser und Saft – es ist für einen Lauf dieser Distanz nicht erforderlich, hilft dem müden Geist aber wunderbar auf die Sprünge und stützt die Motivation ungemein. Wie sagt man als Mr. International? „Better to have and not need, than to need and not have“ (abgewandelt von Franz Kafka)

Mit den Einzelheiten des Laufs will ich nun nicht langweilen. Die Kilometer purzeln gemütlich vor sich hin und wir unterhalten uns über dies und das. Etwa bei Kilometer 13 lege ich eine Pinkelpause ein und brauche geschlagene acht Minuten, um Jürgen, Max und Fritz wieder einzuholen. Und ziemlich genau an diesem Punkt setzen die Knieprobleme bei mir wieder ein und wurschteln sich so bis zum Ende mit durch. Das habe ich schon schlimmer erlebt, doch frage ich mich während der zweiten Hälfte, wieso die Probleme wohl auftreten.

Nun, möglicherweise habe ich des Rätsels Lösung beim Kontrollieren der Streckendaten meiner Laufuhr im Nachgang gefunden:

20180113-Hoehendaten
Höhendaten (in Metern) des Laufs

Betrachtet man diese von Garmin generierte Grafik, lässt sich alles erklären. Bei Kilometer sieben setzte eine erst noch unmerkliche Steigung ein, die aber bald exponenziell nach oben schießt, bis man den 12.474 Meter hohen Gipfel erreicht. Dort habe ich meine kurze Pinkelpause eingelegt und eilte dann 12.894 Meter bergab, nur um im Tal gleich wieder gegen eine massive Bergwand zu laufen. Auf 6.893 Meter Höhe hole ich die anderen Läufer ein und wundere mich, dass mein Knie sich meldet. Natürlich meldet sich das Gelenk bei einer derartigen Beanspruchung.

Im Hinblick auf den Temperaturverlauf während des Trainings lässt sich auch unser Polarforscher-Outfit rechtfertigen: -107°C! So gesehen waren wir doch eher sommerlich unterwegs.

Da ich vor ein paar Jahren einen ähnlichen Text über merkwürdige Aufzeichnungen einer GPS-Lauf-App verfasst habe und dieser von einigen Lesern erstaunlicherweise ernst genommen wurde (trotz einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h), hier der kurze Hinweis: ist natürlich Blödsinn. Die höchsten Erhebungen auf unserer Laufstrecke sind verschiedene Eisenbahnbrücken, welche allerdings kaum über 12.000 Meter hoch sein werden. Leider sind die neueren Garmin-Geräte alle mit barometrischer Höhenmessung ausgestattet, die wirklich gnadenlos unpräzise sein kann. Eine derartige Realitätsfremdheit habe ich aber noch nie erlebt. Jetzt scheint mir der Punkt erreicht zu sein, mal Kontakt mit dem Hersteller aufzunehmen. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Uhr und die Höhendaten sind für mich kein essentieller Bestandteil der Trainingsdokumentation, aber ärgerlich ist es doch. Wenn ich mir vorstelle, die Harzquerung oder den Panoramalauf rund um die Burg Are in diesem Jahr zu laufen und mich nicht auf die Höhendaten berufen zu können, dann finde ich das schon sehr schade.

Mal schauen, was sich machen lässt.

Tja, letztendlich ist dieser Beitrag wohl doch ins Palavern verlaufen. Nicht böse sein. Bald gibt es bestimmt wieder spannende Laufberichte für Euch.

 

Kleiner Nachtrag vom 15. Februar 2018:

Durch Zufall habe ich entdeckt, wonach ich lange gesucht habe: die zum Teil abstrusen Aufzeichnungen der Höhenmeter können vom Garmin-Nutzer in Connect manuell auf die GPS-Höhendaten umgestellt werden. Hierzu muss man in der Aktivitätsübersicht auf der rechten Seite die Höhenkorrekturen aktivieren. Bei Geräten mit barometrischer Höhenmessung ist die Korrektur grundsätzlich deaktiviert und kann Aktivitäts-individuell aktiviert werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s