Der Winter naht… (Jan Schlusnus)

Noch 125 Tage bis zum 08. April 2018. 125 Tage bis zum Startschuss des Hannover-Marathons. Doch es steht mehr zwischen uns und dem Tag des großen Laufs als nur 125 Tage. Vor uns liegt ein ganzer Winter, den wir uns mit ausgiebigem Langstrecken-Training versüßen wollen. Und jetzt ist es endlich so weit: die Vorbereitung beginnt. Oder um genauer zu sein: die Vor-Vorbereitung beginnt. In den folgenden zehn Wochen werden die Wochenkilometer und die Trainingsdistanzen Stück für Stück erhöht, ehe es in die heiße Phase der richtigen Vorbereitung geht. Ich für meinen Teil bin hochmotiviert und ich weiß, dass es den anderen Beiden genauso geht.

Auch wenn wir nur ambitionierte Hobby-Läufer sind und nicht zu den Top-Athleten zählen, gehört die Trainingskontrolle auf Nutzen und Effektivität zum sportlichen Alltag wie das Laufen selbst. Aber woher weiß man, ob das Marathon-Training nun gut war oder nicht? Das Körpergefühl fällt raus… zu subjektiv und schlecht messbar. Vor Beginn der Vorbereitung einen Marathon laufen und das Ergebnis mit dem Wettkampf am Ende des Trainings vergleichen? Scheint müßig und wie vergleichbar die Läufe sind, ist diskutabel. Um dem ganzen Dilemma zu entgehen, gehört der Cooper-Test zu Beginn und am Ende der Vorbereitung zum festen Marathon-Programm. Und den haben wir am Wochenende absolviert.

Die meisten Leser kennen den Cooper-Test… sehr wahrscheinlich aus der Schulzeit. Doch für jene, denen der Test kein Begriff ist, hier ein kurzer Überblick: Der Cooper-Test ist ein einfaches Mittel, um die konditionelle Leistungsfähigkeit eines Menschen zu bestimmen und vergleichbar zu machen. Um ihn zu absolvieren, benötigt man lediglich Sportklamotten, eine Stopuhr, eine möglichst ebene, vermessene Strecke (optimal: eine Tartan-Bahn) und zwölf Minuten Zeit. In diesen zwölf Minuten gilt es, eine möglichst große Distanz zurückzulegen.

 

02. Dezember 2017 – Sottrum, Sportanlage am Bullenworth

Sportklamotten? Haben wir. Eine Stopuhr? Aber selbstverständlich, meine ist sogar nigelnagelneu. Zwölf Minuten Zeit? Für’s Laufen immer! Eine ebene, vermessene Strecke? Auch hier sind wir gut bedient, denn wir haben Zugang zur Tartan-Bahn der Sportanlage am Bullenworth in Sottrum. Prima Voraussetzungen. Also los!

Wir treffen uns im elterlichen Haus in Stuckenborstel. Die dreieinhalb Kilometer bis zur Sportanlage dienen uns zum Warm- und Auslaufen. Ruckzuck sind alle Beteiligten umgezogen und man scharrt schon mit den Hufen. „Hast Du den Schlüssel, Papa?“ – „Klar!“ Sehr gut, raus mit uns in die Kälte. Und bei 5°C stehen wir draußen und können doch nicht loslaufen. Meine neue Uhr sucht noch nach einer GPS-Verbindung. Es ist schon lustig, zu was für merkwürdigen Formulierungen uns der heutige High-Tech-Schnickschnack verleitet. Vor einem halben Jahr lachte ich noch über meinen guten Freund und Kollegen Jens, der genervt ins Büro gestapft kommt: „Kann nicht rauchen. Habe vergessen, meine Zigarette zu laden.“ Und jetzt bin ich es selbst, der mich zum Schmunzeln bringt: „Kann nicht loslaufen, meine Uhr sucht noch ein GPS-Signal.“ Tja, ungeduldig wie ich bin, drücke ich einfach mal auf ‚Start‘. Und siehe da, das nimmt die Uhr ohne Murren hin. Sehr schön. Wir laufen gemütlich Richtung Sottrum und nach etwa 100 Metern vibriert es an meinem linken Handgelenk. ‚GPS-Signal gefunden‘ Aha. Und auch ohne GPS-Signal hat das Ding munter die Distanz mitgezählt. Anhand meiner Schritte. Wunder der Technik.

Wir schaffen es ziemlich genau bis zur Mitte Stuckenborstels. Dort wird Jürgen plötzlich langsamer und ruft: „Wir müssen umdrehen. Ich hab‘ den Schlüssel vergessen!“ – „Ich habe dich doch gefragt, ob du den Schlüssel hast…“, entgegnet Max. „Ich dachte, du meinst den Haustür-Schlüssel!“ Also drehen wir um. Zum Glück ist es zeitig aufgefallen, denn nach dreieinhalb Kilometern hätte die Welt ganz anders ausgesehen.

Schließlich schaffen wir es, ohne weitere Zwischenfälle bis nach Sottrum. Auf der Bahn traben Max und Jürgen gemütlich eine Runde, während ich mein mitgebrachtes Spielzeug positioniere: meine ActionCam ist heute mit von der Partie. Was eigentlich bloß als kleiner Gag zur bildlichen Dokumentation des Tages gedacht war, stellte sich später als ganz fantastisches Mittel zur Auswertung des Laufs heraus. Ich kann es nur jedem Besitzer einer ActionCam wärmstens empfehlen: nehmt das Ding mit zum Bahntraining, stellt es mit Stativ in den Startbereich und lasst die Kamera den Lauf von Anfang bis Ende filmen. So lässt sich für jeden Läufer ganz bequem jede Rundenzeit erfassen und im Nachhinein kann der eigene Laufstil begutachtet werden. Tolle Sache. Ich bin begeistert. Und würde das Video nicht von Schlusnus-typischen Unflätigkeiten leben, hätte es vielleicht auch seinen Weg auf diese Seite gefunden. So müsst Ihr nun mit einigen Screenshots daraus vorlieb nehmen.

Nachdem alle die obligatorische Runde auf der Tartan-Bahn gelaufen sind, der überflüssige Ballast in Form von viel zu schweren, warmen Klamotten abgeworfen wurde und die Kernfragen des Lebens geklärt sind („Muss ich nochmal auf den Pott oder geht das die nächsten zwölf Minuten?“), begeben wir uns zur Startlinie. Das Video zeigt: alle grinsen, alle haben Lust. Dann geht es los.

Screenshot002Der Start

Screenshot004Und alle rennen…

Screenshot007… und rennen…

Screenshot006… und sehen gut aus.

Zwölf Minuten sind keine lange Zeit. Aber offenbar reicht die Zeit, um sie zu vergessen. Jede Runde absolviere ich knapp oberhalb der geplanten eineinhalb Minuten. Und erst bei Minute elf wird mir klar: Die Zeit ist gleich um und du hast noch voll viel Puste! Ich sprinte was das Zeug hält, aber für meine Wunschdistanz reicht es nicht mehr ganz. 3.200 Meter waren mein Ziel, 3.195 Meter sind es geworden. Knapp daneben ist auch vorbei. Aber eins ist klar: beim Cooper-Test geht es nicht nur ums Rennen. Es geht auch darum, mit seinen Kräften zu haushalten. Daran muss ich noch arbeiten.

Wir alle haben zufriedenstellende Ergebnisse erzielt. Max schaffte 3.064 Meter, Papa 2.785 Meter. Damit sind die Beiden nur knapp an ihren Ergebnissen nach der letzten Marathon-Vorbereitung vorbei geschrammt. Respekt. Das verspricht viel Gutes für die kommende Laufsaison!

„Ich würd‘ gerne noch zwei Runden barfuß auf dem Rasen auslaufen“, meint Jürgen, nachdem sich alle wieder versammelt haben. Barfuß, bei den Temperaturen? Naja, es soll ja sehr gesund für die Gelenke und den Fuß sein. Also los. Wie die Störche tippeln wir durch das nasse Gras, jederzeit bereit einen Ausfallschritt zu machen… einige Hundehaufen konnten wir während unserer Laufrunden erspähen. Da will man nun nicht unbedingt reintreten; Gesundheit hin oder her.

Screenshot010Brrr. Kalt.

Zuletzt heißt es dann noch ein bisschen am Lauf-ABC arbeiten. Ich merke schnell: so viele Übungen kenne ich gar nicht. Und ein kurzer Seitenblick zu den anderen Beiden zeigt: die scheinen zu wissen, was sie tun. Ich sollte vielleicht auch häufiger Mal diese Lauf-Videos bei Youtube schauen. Aber ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und schaue mir die Übungen ab, was zu großem Gelächter führt. „Du sollst nicht möglichst hoch springen. Es geht darum, möglichst große Schritte zu machen.“ Hups, schau‘ an. An meiner Beobachtungsgabe kann ich also auch noch feilen. Aber auch Max und Jürgen gestehen: ein paar von den Übungen sehen ziemlich panne aus. Bei uns zumindest. Die Profisportler wirken in den Videos stets sehr elegant.

Screenshot011Geschafft.

Nach dem Training sammeln wir unsere Sachen zusammen und laufen gemütlich zurück nach Stuckenborstel. Hochzufrieden kommen wir an und werden von Charlotte mit frisch gemachten Waffeln überrascht. Das ist mal ein toller Service. Schnell duschen und die wohlverdiente Pause kann kommen. Waffeln, Kaffee und Tee. Danke, Lotti.

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