Unsäglich! Eine Rezension zu Denis Wischniewski: Trail-Run. Alles übers Laufen im Gelände.

Heute ist passiert, was noch nie passiert ist: Ich schicke ein bestelltes Buch zurück.
Als aktiver Marathon- und demnächst Ultraläufer lese ich so einiges, was mir über unser Hobby zwischen die Finger kommt. Und naturgemäß gibt es da – wie immer und überall – Licht und Schatten. Aber so einen Mist habe ich wirklich nur ganz selten übers Laufen gelesen. Wer erwartet, mit diesem Buch auch nur ein paar sinnvolle Informationen zu erhalten, wird relativ schnell eines besseren belehrt. Da hat jemand entdeckt, dass Trailrunning ein Trend ist, und mit Trends kann man Geld verdienen, also setzt der gute Mann sich hin und füllt ein Buch darüber mit seichten Belanglosigkeiten. Die Quintessenz des Buches lautet: Lieber Läufer, es kommt immer auf dein Gefühl an!
Ein paar Kostproben? Ich schlage wahllos ein paar Seiten auf und zitiere die Allgemeinplätze:
„Für Einsteiger gilt: Um Fortschritte auf dem Trail zu machen, solltest du auch auf dem Trail trainieren.“ (S. 55)
„Muskelkater und Verspannungen kennt jeder nach einem harten Training. Solltest du diese Nachwirkungen jedoch noch Tage später merken oder viel intensiver als sonst, kann es sein, dass du übertrieben hast.“ (S. 95)
„Fragst du dich, welche Lauftechnik die richtige für dich ist? Lass deinen Körper entscheiden und laufe so, dass du dich dabei wohlfühlst.“ (S. 39)
Bergablaufen: „Immer wenn es geht – nach vorn lehnen. Das verlängert den Schritt automatisch und löst deine innere Bremse! Auf sehr steilen Abschnitten dagegen erhöht es die Sicherheit, wenn du dich zurücklehnst – entscheide das am besten immer wieder individuell und nach Gefühl.“ (S. 40)Die Passage, in der es sinngemäß heißt, dass man berücksichtigen möge, dass es zwischen dem Münchner Stadtlauf und dem UTMB noch eine Zwischenstufe gibt, finde ich jetzt leider nicht auf Anhieb.
Ansonsten: Viele bunte Bilder, oftmals ganzseitig, blähen das Buch genauso auf wie die vier Kochrezepte auf sechs Seiten oder die zehn Dehn- und Kräftigungsübungen auf elf Seiten (bei deren Beschreibung von einem 90°-Winkel gesprochen wird, wenn 45° gemeint sind). Insgesamt hat das Buch 175 Seiten und man liest es in knapp drei Stunden – „und ist so schlau als wie zuvor“.
Fazit: Unsäglich! Hände weg davon! Wer sich seriös und faktenreich über Ultraläufe und all ihre Facetten informieren will, der greife zum Ultralauf-Kompass von Norbert Madry oder zum großen Buch vom Ultramarathon von Hubert Beck! Die sind unschlagbar: Man liest sie und stellt sie auch danach nicht in den Bücherschrank, weil sie immer mal wieder Antworten auf spezielle Fragen geben. Das Trailrunning-Buch von Wischniewski jedenfalls ist das erste Laufbuch, das ich nicht einmal in den Schrank stelle, sondern zurückschicke. Für die 20 €, die Amazon erstattet, suche ich mir jetzt ein schönes Laufbuch, über das ich mich nicht ärgern muss!

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